Seit 12. März erheben die USA 25 Prozent Zoll auf Stahl, Aluminium und verschiedene verarbeitete Waren aus diesen Rohstoffen aus der EU. Betroffen sind laut der EU-Kommission Güter im Wert von 28 Mrd. Euro. Bereits am 2. April endet die Zollpause für Kanada und Mexiko. Dann will US-Präsident zudem weitere globale oder reziproke Zölle verkünden. Ab 3. April wollen die USA 25 Prozent Zoll auf Autoimporte erheben. Die EU hatte ihrerseits die Wiedereinsetzung von Strafzöllen ab 1. April angekündigt. Diese Gegenzölle hat sie vorerst auf Mitte April verschoben. Dann jedoch droht die EU mit einem weit größeren Paket. Textil- und Bekleidungsprodukte wären dann in großem Stil in den Konflikt involviert.
Die EU hat ihre Retorsionszölle von bis zu 50 Prozent auf Whisky, Motorräder und Textilwaren und weitere Produkte, die in den letzten Jahren ausgesetzt waren, von Anfang auf Mitte April verschoben. Damit möchte sich Brüssel mehr Zeit für Gespräche mit den USA verschaffen. Gleichzeitig droht die EU mit einer erheblichen Ausweitung der Strafzollliste ab Mitte April. Die erweiterten Gegenmaßnahmen, die einen Handelswert von ca. 26 Mrd. Euro umfassen sollen, beträfen dann sämtliche Bekleidungsprodukte, Schuhe und eine große Zahl von weiteren Textilwaren und Accessoires.
„Aus Sicht der Branche sollten sich EU und USA lieber auf gegenseitige Zugeständnisse konzentrieren, statt sich mit gegenseitigen Strafaktionen in eine gefährliche Zollspirale mit großen wirtschaftlichen Schäden zu begeben“, meint Silvia Jungbauer, Hauptgeschäftsführerin bei GESAMTMASCHE. Das sei nicht nur friedlicher, sondern wirtschaftlich für beide Seiten viel interessanter.
„Wir müssen verhindern, dass die deutsche Textil- und Bekleidungsbranche ohne Not zum Spielball des Zollstreits wird. Die USA sind eines unserer wichtigsten Exportziele außerhalb Europas, mit guten Wachstumsaussichten für hochwertige Mode, technische Textilien oder Sport- und Schutzbekleidung deutscher Hersteller. Die Brancheneinfuhr aus den USA ist demgegenüber gering. Zölle auf beiden Seiten des Atlantiks würden uns daher viel mehr schaden als der US-Konkurrenz. Vielmehr sollte die EU den US-Vorschlag reziproker Zölle offensiv und selbstbewusst aufnehmen. Textil- und Bekleidungsprodukte treffen in den USA häufig auf hohe Zollschranken. Von einer bilateralen Senkung und Anpassung auf ein gleiches Niveau würde der transatlantische Handel sehr profitieren. Die nicht-tarifären Handelshemmnisse, die heute oft schwerer wiegen als Zölle, sind ebenso anzupacken. Hier verhalten sich derzeit weder die USA noch die EU vorbildlich, zum Schaden ihrer Unternehmen.“
Silvia Jungbauer, Hauptgeschäftsführerin GESAMTMASCHE
Aus den USA sind bislang keine Signale des Entgegenkommens zu erkennen. Am 2. April wollen die USA weitere Zölle verkünden. Bis dato steht nicht fest, ob diese sich global, in gleicher Höhe gegen alle Handelspartner richten sollen, oder ob reziproke Zölle für jeden einzelnen Handelspartner erhoben werden. Zudem ist jetzt unklar, ob solche Zölle direkt in Kraft treten sollen oder erst nach einer Pause. Eine weitere Bedrohung sind die für 3. April erga omnes angekündigten Autozölle von 25 Prozent, die ab 3. Mai auch auf Autoteile erhoben werden sollen. Ausnahmen soll es nur für Autoteile mit USMCA-Ursprung sowie den US-Content in Autos aus Mexiko und Kanada geben. In jedem Fall wird es die EU mit weiteren Zöllen zu tun bekommen. Präsident Trump hat mit gigantischen 200 Prozent Zoll auf Wein und Champagner aus der EU gedroht.
Stand: 1. April 2025