Zuletzt angepasst am 04.04.2025, 18:00 Uhr
Die USA erheben ab dem 5. April 2025 Basiszölle in der Höhe von 10 Prozent für alle Importe und ab dem 9. April länderspezifische Zölle („reciprocal tariffs“) von bis zu 49 Prozent gegen einzelne Handelspartner. Die EU ist hierbei mit 20 Prozent schwer tangiert. Anderen Handelspartnern geht es noch schlechter: Z. B. werden chinesische Waren werden mit zusätzlichen 34 Prozent belegt, Waren mit Ursprung in der Schweiz mit 31 Prozent. Chinesische Waren, die bislang unter der sog. De-minimis-Regel (Sendungswert <800 US-Dollar) zollfrei in die USA kommen, unterliegen ab 2. Mai Zollschranken.
Ob die 10 Prozent ab 05.04. auch für Länder gelten, die länderspezifischen reziproken Zöllen ab 09.04. unterliegen, ist noch immer unklar. Zwar deuten US-amerikanische Quellen darauf hin, doch eine endgültige Bestätigung liegt bis dato nicht vor. Daher ist ab 05.04. (ab 0:00 Uhr EDT = 6 Uhr morgens CET) für alle Waren aus allen Ländern mit einem 10-prozentigen Aufschlag zu rechnen. Maßgebend ist der Verladezeitpunkt. Die gegenseitigen Zölle auf Exporte aus einer Liste von fast 60 Ländern reichen von 11 % für den Kongo bis zu 50 % für Lesotho. Diese Zölle gelten für alle Exporte, die nicht bis zum 9. April 2025 (0:00 EDT = 6:00 Uhr CET) verladen wurden.
Schwere Belastung für die deutsche Textilbranche
Für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie bedeutet die handelspolitische Eskalation eine schwere Belastung. „Die USA zählen zu unseren wichtigsten Exportmärkten außerhalb Europas und sind gerade jetzt, in Zeiten verschlechterter Exportaussichten, äußerst wichtig für die Branche in Deutschland.“, sagt Silvia Jungbauer, Hauptgeschäftsführerin von Gesamtmasche. „EU-Kommission und Bundesregierung müssen sich vehement für eine rasche Entschärfung des Konflikts einsetzen. Textilien und vor allem Bekleidung unterliegen in den USA bereits ohne Zusatzzölle beachtlichen Tarifen, die bei vielen Produkten um die 20 Prozent oder mehr betragen. Die Marktzugangshürden inklusive nicht-tarifärer Handelshemmnisse dürften in den USA in Summe ausgeprägter sein als in der EU.“
Zölle auf China-Ware: Für Textil und Bekleidung effektiv 70 % und mehr möglich
ür China soll die Belastung ab 9. April 34 Prozent betragen. Da China bereits im Februar mit Zusatzzöllen von 20 Prozent belastet wurde, steigt diese Belastung somit auf insgesamt 54 Prozent. Dazu kommt der „normale Zollsatz“, und bei ausgewählten Waren sogar noch Zölle aus früheren Schritten von Trump oder Biden, außerdem Zusatzzölle von 7,5 % aus einem älteren Dekret von 2019. Dadurch dürften Belastungen von 70 Prozent und mehr keine Seltenheit sein. Der venezolanische Ölzoll könnte sogar noch dazu kommen (Länder, die Öl aus Venezuela kaufen, werden von den USA mit einem 25-prozentigen Zusatzzoll abgestraft).
Hinsichtlich der länderspezifischen Zollhöhe beruft sich US-Präsident Trump auf die Kalkulation von Zolläquivalenten nicht-tarifärer Handelshemmnisse. Kritiker unterstellen hingegen eine einfache Rechnung: Demnach wurde der Handelsbilanzüberschuss des jeweiligen Landes mit den USA schlicht durch den jeweiligen Einfuhrwert der USA dividiert.
De Minimis für China-Ware soll ab 2. Mai ausgesetzt werden
Die De-minimis-Ausnahme in den USA ermöglicht die zollfreie Einfuhr von US-Importen im Wert von 800 US-Dollar oder weniger, hat minimale Anforderungen und Kosten für die Zollanmeldung und ermöglicht es, Importe dieser Zeit schnell durch den Zoll zu bringen.
Pro Tag gelangen Millionen Pakete mit De-minimis-Waren in die USA – hauptsächlich von chinesischen Online-Shops und hauptsächlich per Luftfracht. Das Phänomen ist auch in der EU wohlbekannt: Die Sorge über unlauteren Wettbewerb und mangelnde Marktkonformität oder gar die Herstellung aus Zwangsarbeit ist groß. Als Gegenmittel setzte US-Präsident Trump mit seiner ersten Zollrunde für China (20 Prozent) die De-minimis-Berechtigung für chinesische Einfuhren aus. Der daraus resultierende Anstieg der zu verzollenden Pakete überforderte die US-Zollbehörden schnell, und Trump setzte die De-minimis-Berechtigung schnell wieder ein.
De-minimis für Kanada und Mexiko soll so lange beibehalten werden, bis angemessene Systeme zur Abfertigung vorhanden sind. Dennoch heißt es in Trumps Verordnung vom 2. April, dass angemessene Systeme für die Abwicklung von Importen aus China vorhanden sind und er daher ab dem 2. Mai die De-minimis-Berechtigung für alle chinesischen Waren aussetzen wird. Von da an unterliegen alle US-Wareneinfuhren im Nicht-Postverkehr mit Ursprung China und Sendungswert unter 800 US-Dollar sämtlichen formellen Anforderungen für die Einfuhranmeldung und allen US-Zöllen, die für China gelten. Für Waren unter der Wertgrenze, die über Postdienstleister verschickt werden, gilt ein Zollsatz von 30 Prozent oder eine Gebühr von 25 US-Dollar pro Sendung, wobei diese ab 1. Juni auf 50 US-Dollar ansteigen soll.
Hohe Zölle auch für China-Alternativen
In seiner ersten Amtszeit konzentrierte sich Präsident Trump hauptsächlich auf China. Daher stellten viele Importeure in den USA auf eine China+1-Strategie um. Viele europäische Unternehmen sind diesem Beispiel gefolgt. Der Trend hat sich bereits in der Zunahme des US-Handels mit Mexiko und Kanada, aber auch mit Beschaffungsalternativen in Asien wie Vietnam, Indien, Taiwan und Bangladesch manifestiert – während der Import aus China nachließ: von 20 Prozent der gesamten US-Importe im Jahr 2018 auf 13 Prozent im Jahr 2024. Jetzt machen hohe reziproke Zölle diese Alternativen unattraktiver. Zum Beispiel werden Waren aus den folgenden Ländern – einige der wichtigsten Alternativen zu China – mit hohen Zusatzzöllen belegt:
- Vietnam: 46 %
- Indien: 27 %
- Bangladesch: 37 %
- Kambodscha: 49 %
Hintergrund: Executive Order vom 2. April 2025, länderspezifische Zollsätze in Annex I.
US-Präsident Trump begründet die „gegenseitigen Zölle“ („reciprocal tariffs“) mit angeblich unfairen Handelspraktiken wichtiger Partner, darunter Zölle auf US-Produkte, Währungsmanipulation oder Mehrwertsteuern. Von den neuen Zöllen ausgenommen sind unter anderem Exporte von Stahl und Aluminium (bereits mit 25 Prozent belegt). Pharmaprodukte sind gemäß der am 2. April unterzeichneten Bestimmungen nicht betroffen. Exporte von Autos und Automobilteile werden ab dem 3. April separat mit 25 Prozent verzollt.
China erhebt Gegenzölle
Am 4. April hat China Gegenzölle auf Importe aus den USA angekündigt: Ab dem 10. April werden auf alle Warenlieferungen aus den USA zusätzliche Zölle von 34 Prozent erhoben. Dies ist derselbe Zusatzzoll, den die USA ab 9. April auf chinesische Waren aufschlagen wollen. Zudem will China für sieben seltene Erden Exportkontrollen verhängen, die u. a. in der Rüstungsindustrie Verwendung finden. Chinas Gegenmaßnahmen dürften den Handelskonflikt weiter anzuheizen. In der Executive Order vom 2. April sieht vor, dass die Zölle für Länder, die Gegenmaßnahmen einführen, noch weiter erhöht werden.