Wem nutzt das Zollchaos? Bild: © Alexander Kliem - pixabay.com

Wem nutzt das Zollchaos?

US-Präsident Trump führt Zölle ein, die er einen Tag später wieder aussetzt, allerdings mit Ausnahmen, Fristen und Auflagen. Irrsinn oder Taktik? Jedenfalls sind bereits gewaltige Investments in Bewegung.

Am 4. März führte US-Präsident Zölle in Höhe von 25 Prozent für US-Importe aus Mexiko und Kanada ein. Nur einen Tag später gewährte er eine einmonatige Gnadenfrist für Automobilgüter, die unter das trilaterale Freihandelsabkommen USMCA fallen. Am 6. März weitete er die Aussetzung auf sämtliche Importe im Rahmen des USMCA aus, darunter auch für Textilien und Bekleidung. Die viel diskutierten De-minimis-Einfuhren sind bis heute nicht tangiert – egal, ob sie aus China kommen, aus den USMCA-Partnern oder von anderswo. Übrig bleiben jedoch Einfuhren im Wert von 1 Mrd. US-Dollar pro Tag aus Kanada und Mexiko, die nicht von den Zöllen ausgenommen sind. 

Fazit: Für Unternehmen, die in oder mit den USA Handel treiben, sind nicht nur die Zölle eine Belastung, sondern die Konfusion, die durch Drohungen, Inkraftsetzung von Sanktionen und deren Aussetzung in kurzer Folge entsteht. Trotz Schelte für das handelspolitische Chaos geht die Rechnung von US-Präsident Trump an mancher Stelle bereits auf. Zumindest teilweise und aus Sicht seiner Wähler.

US-Autobauer versprechen Rückverlagerung

Die Start-und-Stopp-Taktik des US-Präsidenten zeigt, dass er Zölle und andere Drohungen als Druckmittel für seine gewünschten Handels- oder anderen politischen Ziele einsetzt: Grenzsicherungsversprechen Mexikos und Kanadas führten im Februar zu der ersten Zollpause. Doch mehr noch: Zwar besteht das erklärte Ziel der Zölle darin, den Strom von Fentanyl und illegaler Einwanderung einzudämmen. Die letzte Woche gewährte Zollpause bis April war Berichten zufolge jedoch zu einem guten Teil auch auf die Zusagen der US-Autohersteller zurückzuführen, einen Teil ihrer Produktion von Kanada und Mexiko wieder in die USA zu verlagern.

Blackrock übernimmt Häfen am Panamakanal und CMA CGM investiert in US-Schiffsbau

Der Druck von US-Präsident Donald Trump hinsichtlich Chinas Präsenz entlang des Panamakanals zeigt Wirkung: Ein Konsortium um den US-Investor Blackrock will die zentralen Häfen am umkämpften Panamakanal übernehmen und erwirbt dafür die Mehrheit der Hafensparte des Hongkonger Konzerns CK Hutchison, zu der auch das Unternehmen Panama Ports gehört – sowie weitere 43 Häfen in 23 Ländern (wobei Häfen in China ausgenommen sind).

Die vom USTR vorgeschlagene Hafenanlaufgebühr für in China hergestellte Schiffe hat bereits dazu geführt, dass der französische Reedereikonzern CMA CGM zugesagt hat, 20 Milliarden US-Dollar in den USA zu investieren, einschließlich eines Teils des Schiffbaus.

Fristen in schneller Taktung sorgen für Unsicherheit

Zu den sich schnell nähernden Fristen für neue Zölle oder Handelshemmnisse gehört der 24. März für die Anhörung des US-Handelsbeauftragten, bei der über die Hafengebühren entschieden werden soll. Am 1. April werden die US-Behörden Berichte über eine Reihe von Handelsfragen veröffentlichen, die im Memo des US-Präsidenten zur „America First Trade Policy“ gefordert wurden- Dazu gehört auch der von Trump vorgeschlagene Zoll von 60 Prozent auf alle chinesischen Waren, und wahrscheinlich auch das Thema „reziproker“ Zölle in sämtlichen Handelsbeziehungen. Am 2. April endet die Aussetzung der 25-Prozent-Zölle auf USMCA-Waren.

Die meisten warten ab

Das Hin und Her der letzten Woche trägt zur allgegenwärtigen Unsicherheit für Logistik und Lieferketten bei und erschwert die Planung und Anpassung extrem. Die meisten Wirtschaftsbeteiligten entscheiden sich noch dafür, abzuwarten, bevor sie in signifikante Änderungen an ihren Lieferketten investieren. Aufgrund der relativ hohen Wahrscheinlichkeit von Zollerhöhungen insbesondere gegenüber China war seit November allerdings ein deutliches „Frontloading“ bei Lieferungen in die USA zu verzeichnen.

De-minimis-Abschaffung aufgrund praktischer Hürden weiter ungewiss

Anfang Februar hob US-Präsident Trump die De-minimis-Regel für Kleinsendungen aus China per Dekret auf – um sie kurze Zeit später wieder zu gewähren. Bislang brauchen Kleinsendungen bis 800 US-Dollar daher immer noch nicht verzollt zu werden. Das Ende der De-minimis-Regel dürfte zu einem rapiden Anstieg der zu verzollenden Sendungen führen und droht dadurch die Zollbehörden zu überlasten. Daher wurde die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde beauftragt, bis 1. April eine Lösung für das „De-minimis-Problem“ zu entwickeln. Auch wenn Skepsis angebracht ist, dass sich in so kurzer Zeit eine Lösung finden lässt, steht die Drohung hoher Zölle für die B2C-Päckchen im Raum.

Luftfrachtvolumen abgeschwächt: Die Päckchen aus China suchen sich andere Wege

Inzwischen gibt es Anzeichen dafür, dass das E-Commerce-Luftfrachtvolumen zwischen China und den USA – das weitgehend von der De-minimis-Auslastung abhängt – nachlässt und sich wahrscheinlich auf die Seelogistik und das Inlands-Fulfillment verlagert. Dadurch wird das Ziel, die bisher zollfreien Importe nur noch verzollt ins Land zu bringen, zumindest teilweise auf indirektem Weg erreicht. Neben stornierten Charterflügen wird von sinkenden Luftfrachtraten berichtet. Der Freightos Air Index China-USA fiel in der vergangenen Woche auf 4,61 US-Dollar/kg und lag damit 40 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn. Das deutet auf eine allmähliche Entspannung der Nachfrage hin. Die Preise für Asien und Europa liegen bei ca. 3,00 $/kg.